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Wettstreit der Gefühle

Wettstreit der Gefühle

 
 

Es war einmal vor langer Zeit, da fingen alle Gefühle auf der Welt einen Streit an. Ein jedes behauptete, das wichtigste und nützlichste aller Gefühle zu sein. Der Streit ging so weit, dass die Gefühle begannen, sich in zwei verfeindete Lager aufzuteilen.

Das Glück sprach für die Gruppe der Gefühle, die sich als positiv für den Menschen ansahen:
„Ganz klar, dass wir die wichtigsten Gefühle sind und insbesondere ich. Ich bin das Symbol des Lebens und der Glückseligkeit.“

Aus dem anderen Lager – dem Lager der negativen Gefühle - mischte sich der Zweifel ein:
„Ach ihr mit Eurer heilen Welt. Ist das Leben denn wirklich so?“

Die Zuversicht bahnte sich gegenüber dem Zweifel einen Weg und sprach dazwischen:
„Wir guten Gefühle – und insbesondere ich – wir geben den Menschen Kraft zum Weitermachen.“

Die Ungeduld aus dem Lager der negativen Gefühle, zappelte herum und unterbrach mit großem Ernst:
„Nein, nein! Ich bin das – ich treibe an zum Weitermachen!“

Die Freude kicherte:
„Ihr seid alle so furchtbar ernst. Ich allein bringe Lachen, Fröhlichkeit und Wärme in die Welt. Ohne mich gäbe es keinen Spaß.”

Die Wut konnte es nicht länger aushalten. Sie schrie heraus:
„Ihr seid doch allesamt nur armselige Gefühle! Ich allein beherrsche den Menschen, gebe ihm die Energie, für eine Sache zu kämpfen. Ich bringe Feuer ins Blut.“

Die Hoffnung sprach viel ruhiger als alle anderen, jedoch nicht weniger deutlich:
„Ich glaube daran, dass es einen Sinn hat, dass es uns alle gibt.”

Und so fuhren die Gefühle fort, sich zu rühmen, jedes davon überzeugt, das Wichtigste zu sein. Ihr Streit wurde immer lauter.

Inzwischen hatten sich neben den Streitenden auch ein paar Bedürfnisse niedergelassen auf dem Versammlungsplatz. 

Das Bedürfnis nach Ruhe rief plötzlich mit lauter Stimme:
„Hey, Ruhe! Mir ist wichtig, dass es still ist.“

Das Bedürfnis nach Klarheit sagte ganz entrüstet:
„Es ist aber schon wichtig zu wissen, wie die Dinge sind.“

Die Konzentration rief entschlossen:
„Genau, ich möchte, dass man sich auch mal ganz ungestört mit solchen Fragen beschäftigen kann.“

Es entstand ein Moment der Stille. Diese Stille nutzte der Frieden und erhob sich langsam von seinem Platz. Er sprach:

„Ihr Gefühle streitet untereinander und ein jedes versucht, besser zu sein, als die anderen.  Wisst ihr denn nicht, dass Gott euch alle für einen bestimmten Zweck gemacht hat, einzigartig und verschieden?

Ihr seid weder gut noch schlecht. Alle Gefühle im Menschen sind von großer Bedeutung und jedes Einzelne von euch zeigt an, dass dem Menschen etwas wichtig ist.

Ihr helft ihnen zu erkennen, dass sie gerade etwas gemacht oder bekommen haben, was ihr Leben verschönert hat. Und Ihr haltet sie an, mehr davon zu tun.

Oder – und das ist genauso wichtig – ihr macht deutlich, dass den Menschen in ihrem Leben im Moment etwas Wichtiges fehlt. Dadurch bringt ihr sie darauf, dass es sinnvoll sein kann, sich für etwas einzusetzen, was ihr Leben wieder schöner macht.

Euer jeweiliger Einsatz wird bestimmt von den Situationen in denen die Menschen stecken und den offenen und erfüllten Sehnsüchten, die sie haben.

Jedes Einzelne von Euch ist daher wichtig in einem speziellen Moment und hat seine Daseinsberechtigung.“

Die Gefühle nickten nachdenklich und es wurde still. Die beiden Lager begannen sich aufzulösen und die Gefühle verließen gemeinsam den Versammlungsplatz.

Der Frieden und die Ruhe blieben noch eine Weile sitzen.   

 

Vielen lieben Dank an Anja Palitza und Olaf Hartke für diese aufweckende Geschichte über das menschliche Gefühlsleben, die zum Nachdenken anregt. Mehr von diesen beiden Experten für Gewaltfreie Kommunikation gibt's unter www.giraffenkinder.com 

 

 

 
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